Die Minga - gemeinsame Feldarbeit

Wenn Santos in Erinnerungen schwelgt und von seinen Kindheitserlebnissen während der Kartoffelernte berichtet, dann leuchten seine Augen und die Begeisterung sprüht aus seinen Worten: „Zur Kartoffelernte kamen zwischen 30-50 Personen zusammen, die alle gemeinsam die anfallenden Arbeiten verrichteten. Für uns Kinder war das immer ein großes Fest“.

Diese Form der gemeinschaftlichen Arbeit wird Minga (im Süden Peru auch Minca) genannt. Dabei bringt sich oft die gesamte Dorfgemeinschaft ein. “Alleine kannst Du die Arbeit gar nicht bewältigen, dafür brauchst Du viel zu viel Zeit oder so viele Arbeiter, dass Du sie gar nicht bezahlen kannst – es ist viel besser, wenn alle gemeinsam mit anpacken“ so Santos. Die Aufgabe der Kinder war es, den Bauern frisches Wasser zu bringen. „Das war an den steilen Hängen zum Teil ziemlich anstrengend, aber auch sehr unterhaltsam“, erinnert sich Santos. Und in den Pausen erhaschte er manchmal von dem ein oder anderen Bauern ein paar Koka-Blätter. „Wir mussten allerdings aufpassen, dass unser Vater das nicht mitbekam“ fügt Santos mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. In Peru werden in vielen ländlichen Gegenden in den Arbeitspausen Koka-Blätter gekaut, vermischt mit einer kleinen Prise Kalk und Pflanzenasche sorgt das Kraut für Kraft und Energie, das Hungergefühl wird unterdrückt und der Körper wird warmgehalten. Die Blätter werden dafür gut durchgekaut und im Mund zu einer kleinen Kugel geformt. Koka ist eine uralte Heil- und Kulturpflanze, die in den Anden neben medizinischen Anwendungen auch für religiöse Zwecke genutzt wird. Im Gegensatz zu der Droge Kokain macht das Kauen der Blätter allerdings nicht süchtig.
In der Umgebung von Cajamarca, im Norden Perus, in der Santos aufgewachsen ist, haben die Frauen während der Ernte am Rand der Felder für alle gekocht. Im Süden Perus ist es hingegen traditionell die Aufgabe der Frauen, die Kartoffeln zu ernten.
„Am Anfang der Ernte gab es einen Tag für die Pachamama, für Mutter Erde“, erzählt Santos. „Dabei wird die Erde um Verzeihung gebeten, dass sie bearbeitet wurde. Das hat etwas sehr Respektvolles. Und nach der Ernte gab es ein Dankesfest für die Pachamama und für das gesamte Dorf. Dabei wurde zusammen gegessen, getrunken und getanzt“. Während diese Rituale früher gang und gäbe waren, verlieren sie zunehmend an Bedeutung und geraten vielerorts in Vergessenheit. Auch die Minga wird nicht mehr in allen Dörfern praktiziert.