Corona bedeutet für viele einen Kampf ums Überleben

Das südamerikanische Land Peru ist neben Brasilien sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Und das obwohl Präsident Martín Vizcarra sehr schnell sehr drastische Maßnahmen ausgerufen hatte. Problematisch ist dies vor allem für die zahlreichen Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft und die informell angestellten Tagelöhner in den Städten.

Seit Mitte März gilt in Peru der Ausnahmezustand, an vielen Orten patroulliert das Militär auf den Straßen und die drastischen Ausgangssperren haben den Verkehr zwischen den Provinzen beinahe zum Erliegen gebracht. Dennoch steigen die Infektionszahlen nach wie vor an, so dass die Sonderregelungen nun bis zum 30. Juni verlängert wurden. 
"Für viele ist die Situation sehr kritisch", sagt Santos Briceno via Skype. Denn in Peru arbeiten rund zwei Drittel der Bevölkerung im informellen Sektor und erhalten damit keinerlei finanzielle Absicherung oder Sozialleistungen. Als Hilfsarbeiter und Tagelöhner arbeiten sie in der Landwirtschaft, in Restaurants, im Tourismus oder auf dem Markt. Wenn diese Gelegenheitsjobs wegfallen, bricht buchstäblich alles zusammen, denn die meisten können auch auf kein Erspartes zurückgreifen. Besonders die Familien in den weit ausgedehnten Elendsvierteln der Städte trifft es hart. Hier herrscht bittere Not. Es gibt zwar ein staatliches Hilfsspaket in Form von Gutscheinen, kirchliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen verteilen Lebensmittelpakete. Doch damit können längst nicht alle erreicht werden.
In den oftmals abgelegenen Dörfern besitzen viele Familien ein eigenes Feld und leben überwiegend von der Subsistenzwirtschaft. Das entschärft die Situation etwas und hat auch dazu geführt, dass viele Familien aus den Städten zu ihren Verwandten aufs Land gefahren bzw. gewandert sind. Problematisch ist zudem, dass einige Bauern ihre Ernte nicht mehr auf dem Markt verkaufen können und dadurch weniger Einkommen haben. Gleichzeitig stiegen die Lebensmittelpreise.
Nene und José, die beiden Bauern aus Celendín, konnten ihre Kartoffeln dieses Jahr noch immer nicht pflanzen: Zuerst blieb der erhoffte Regen aus und dann kam die Ausgangssperre. Ihr Feld liegt ein gutes Stück außerhalb der Stadt. Momentan ist es ihnen nicht möglich dorthin zu gelangen, weil auf dem Weg eine Polizeisperre ist und sie keine Erlaubnis besitzen.  Vor der Ausgangssperre konnten die beiden noch Mais, Okra und Getreide säen, allerdings haben sie jetzt das Problem, dass sie überhaupt nicht zu dem Feld kommen, um ernten zu können.